Vor der Hochzeit

Die Hochzeit fand immer an einem Freitag statt. Acht Tage vor der Hochzeit begannen die Mägde des Brauthauses, Girlanden, Kränze und Sträußchen zu wickeln und zu binden. Am Tag der Hochzeit begab sich der „Köstebirrer“ in das Hochzeitshaus. Hier wurde sein Zylinder(hut) mit „Knisterblank“ (Flittergold oder auch Lametta genannt) geschmückt. Dann bestieg er das buntgeschmückte und „aufgeschwänzte“ Pferd, um die einzelnen Bauern des Dorfes einzuladen. Natürlich wurden alle zwölf Bauern des Dorfes eingeladen und alle kamen mit ihrer Familie. Jede Hochzeit war ein Dorffest im wahrsten Sinne des Wortes. Der „Köstebirrer“ (Hochzeitsbitter) ritt nun aber nicht nur auf den Hof, sondern hoch zu Ross direkt in die Bauernstube und sagte hier sein auswendig gelerntes Sprüchlein in gebundener und ungebundener Rede auf. Dafür erhielt er von der eingeladenen Bauernfamilie ein Geschenk, das früher in Naturalien wie Backfeigen, Äpfeln oder Semmeln und später als Geldgeschenk überreicht wurde. Alle Geschenke verschwanden in einem der beiden Säcke, die der Köstebirrer vor sich über das Pferd gehängt hatte. Zum großen Gaudium der Straßenjugend ritt der Köstebirrer in diesem Aufzug auch mitunter durch Kolberg, wenn er dort Verwandte des Brautpaares einzuladen hatte.
Inzwischen waren die Mädchen des Dorfes im Hochzeitshaus erschienen, um bei den Hochzeitsvorbereitungen behilflich zu sein und vor allem die Fische zu entschuppen. Zwei Scheffel Fische mußte es zu jeder Hochzeit geben. Am Abend kamen die Dorfburschen zum Poltern. Auch die Musiker erschienen zum Polterabend, um den „Polterern“ und den „Fischmädchen“ zum Tanz aufzuspielen. Um Mitternacht wurde der Tanz beendet.

5. Kapitel: Bäuerliches Brauchtum um 1890 Am Hochzeitstag