9. Kapitel: Familie Werner Kummrow

Werner Max Erich Kummrow (Foto als junger Mann) wurde am 24. Februar 1929 in Zwilipp geboren. Bevor er zusammen mit seinen Brüdern und seinen Eltern 1945 ausgewiesen wurde, konnte er nach dem Besuch der Volksschule noch den Beruf des Landwirts auf dem Hof seines Vaters Paul Kummrow erlernen.
Zusammen mit seinen Eltern und seinen beiden Brüdern Hans und Heinrich mußte auch er nach Rügen übersiedeln. In diesen Nachkriegstagen gab es nur für den zu essen, der auch Arbeit hatte. Doch Arbeit gab es auch nicht für alle. Werner Kummrow gelang es, beim Bauern Robert Dörp auf der Landzunge Höft in Alt-Reddevitz als landwirtschaftlicher Gehilfe Arbeit zu finden. Er erinnert sich: „Unsere erste Frage, bevor wir damals eine Stelle angetreten haben, war, ob es auch ‚was Ordentliches zu essen gab.“ Denn von den 24 Mark, die es im Monat an Lohn gab, konnte man in diesen ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg auch nichts kaufen – es gab ja nichts. Auf dem Höft konnte er vom 15. Februar 1946 bis zum 15. Januar 1949 bleiben, später fand er noch eine Anstellung bei der Bäuerin Johanna Schmidt in Alt-Reddevitz.

Zusammen mit seinem Bruder Hans bewarb er sich dann auf eine Zeitungsannonce: Bauern in der Altmark suchten junge, kräftige Arbeiter. Auf dem Hof des Bauern Friedrich Baucke in Groß-Chüden (bei Salzwedel) arbeitete er vom 5. Oktober 1951 bis zum 30. September 1955. In diesem Ort lernte Werner Kummrow auch seine spätere Frau Gertrud Ilse Erika Kühn (* 18. März 1933) kennen, die als Hausmädchen erst beim Bauern Walter Schulz, später auch bei Baucke im gleichen Ort arbeitete. Weil sie keine gemeinsame Wohnung fanden und auch die Grenze gen Westen von den DDR-Oberen immer mehr abgeriegelt wurde, folgten Gertrud und Werner Kummrow gern einem Ruf ihres Schwagers und Bruders Fritz Kummrow.

Sein Bruder Fritz fand für ihn 1955 in Steinhagen (damals Kreis Halle/Westf.) Arbeit auf dem Bauernhof Femmer. Diese Familie Femmer – noch heute in Obersteinhagen ansässig – hat auch eine Bäckerei. Gertrud kam mit, arbeitete und wohnte in dieser Zeit unter anderem in einem Bielefelder Hotel. Ende September, Anfang Oktober 1956 konnten Werner und Gertrud Kummrow das Kötterhaus des Bauern Frieling (heute Hof Haßheider), Bockhorst Nr. 8, beziehen. Bei diesem Bauern hatten beide Brüder von Werner gearbeitet , die Kummrows sich bereits einen guten Ruf erworben.

Werner und Gertrud Kummrow heirateten am 10. November 1956 in Bockhorst, später holten sie auch die Schwiegereltern nach. Werner Kummrow arbeitete bis Anfang der 60er Jahre für seinen Nachbarn August Böckhaus – wie er Kötter bei Frieling – im Tiefbau und betrieb nebenher eine kleine Landwirtschaft mit drei Kühen und ein paar Schweinen. Werner Kummrow arbeitete von Anfang der 60er Jahre bis zu seiner Rente (ab 1992) in der Fleischwarenfabrik Glocken Beune in Borgholzhausen-Casum als Arbeiter, später stellvertretender Abteilungsleiter in der Pökelei. Gertrud Kummrow betreute den Haushalt und arbeitete nach dem Großziehen der Kinder über 16 Jahre hinweg halbtags für den Konfektionär Distributor in Versmold. Das Frielingsche Kötterhaus, das die Familie bewohnte, wurde Ende der 80er Jahre für den Bau der Autobahn A 33 abgebrochen; seitdem wohnt die Familie auf dem nahen Hof Overbeck. Werner und Gertrud Kummrow bekamen vier Kinder.

Der älteste Sohn, Gerd Werner Kummrow, wurde am 16. Februar 1958 geboren. Eben 12jährig kam er am 20. Dezember des Jahres 1970 bei einem tragischen Verkehrsunfall ums Leben. Er wurde von einem bis heute unbekannten Autofahrer erfaßt, als er nach dem Aussteigen aus dem Bus die Bundesstraße 476 in Höhe des Hauses Groneweg überqueren wollte. Er liegt auf dem neuen Friedhof in Bockhorst begraben.

Der Zweitgeborene, Ulrich Hartmut Kummrow (* 20. November 1961), machte nach dem Besuch der Hauptschule eine Lehre als Einzelhandelskaufmann bei Mestemacher in Versmold. Er heiratete am 4. Juni 1982 Gabriele Komm, ebenfalls gelernte Einzelhandelskauffrau. Die beiden hatten einen Sohn, David Kummrow (* 6. November 1982), der 14jährig plötzlich und unerwartet am 16. April 1997 starb. Er ist wie sein Onkel Gerd Kummrow im Familiengrab auf dem neuen Friedhof in Bockhorst beigesetzt worden. Ulrich und Gabriele Kummrow leben heute in Halle (Westf.).

Martina Gertrud Erika Kummrow wurde am 22. Juli 1965 geboren. Sie erlernte nach dem Besuch der Hauptschule den Beruf der Schneiderin, in dem sie heute selbständig tätig ist. Sie heiratete am 8. Juli 1988 den Maschinenbaumeister Wolfgang Westphal. Ihnen wurden die Söhne Marcel am 12. Mai 1993 und Marvin am 14. Mai 1996 geboren. Martina und Wolfgang Westphal leben in Hilter am Teutoburger Wald im Südkreis Osnabrück.

Heike ist die jüngste Tochter von Gertrud und Werner Kummrow. Sie wurde am 17. August 1969 geboren. Auch sie lernte Schneiderin. Sie heiratete den Tischler Günter Koch aus Harsewinkel, mit dem sie einen Sohn, Kevin Koch (* 22 August 1993) hat. Die Ehe wurde 1996 geschieden. Heike Koch lebt heute mit ihrem Sohn in Versmold (Westf.).

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