15. Kapitel: Das Dorf Zwilipp 1937

Im Jahr 1937 zählte das dem Amt Degow zugehörige Dorf Zwilipp 380 Einwohner, die in 71 Haushalten lebten. Die Postanschrift hieß „Zwilipp über Kolberg (Ostseebad)“ und der einzige öffentliche Fernsprecher war in der Poststelle, die die Organistin Charlotte Varchmin in Zwilipp führte. Sie hatte mit dem Anschluß „Degow Nr. 09“ auch einen der erst wenigen Telefone in dem Dorf. Neben Charlotte Varchmin, geb. Berg, die später zusammen mit ihrem Mann Fritz und den Kindern in Steinhagen (Westfalen) lebte, gab es auch wichtige Männer in Zwilipp: Bürgermeister war Hermann Baller. Auch er hatte Telefon, den Anschluß „Degow 59“. Das dritte Telefon im Dorf besaß Johann Rackow, er hatte den Anschluß „Degow 58“. Zu den wichtigsten Männern des Jahres 1937 im Dorf zählte auch Emil Rackow. Der war Ortsbauernführer, Schiedsmann und nicht zuletzt Blockleiter der NSDAP. Für die Bildung im Ort war Lehrer Max Michaelis zuständig und zum Schulverband gehörte auch noch die Gutsschule Pustar, wo Walter Goldbeck als Lehrer seines Amtes waltete.
Aus derselben Quelle ist uns auch eine Übersicht über die größten Höfe überliefert. So zählte Ernst Nitz 109 Hektar sein eigen, davon waren 70 Hektar Acker, 9 Hektar Wiesen, 1 Hektar Weide und 25 Hektar Holzungen (Wald). Ferner zählten 3 Hektar Umland (Hoffläche und Wege) sowie 1 Hektar Wasserfläche zu dem Besitz. Die Statistik nennt als Tierbestand des Hofes Nitz 6 Pferde (so viele hatten nur noch Albert Held, Johann Rackow und Helmuth Scharping. Sowie dazu 41 Stück Rindvieh, davon 18 Milchkühe, 71 Schafe und 64 Schweine. Der Wert des größten Zwilipper Hofes, des Anwesens Nitz wurde mit 56.200 Reichsmark beziffert, Den zweitgrößten Hof besaß Else Braasch (79 Hektar), Johann Rackow (58 Hektar), Albert Held (49) und Karl Henke (48 Hektar). Im Vergleich dazu die Größe des benachbarten Gutes Pustar: 555 Hektar.
Als erwachsene Einwohner von Zwilipp wurden 1937 aufgelistet:

  • Baller, Berta, Altsitzerin
  • Baller, Friedbert, Arbeiter
  • Baller, Hermann, Bauer und Bürgermeister, 48 ha
  • Baller, Otto, Deputant
  • Baller Siegfried, landwirtschaftl. Arbeiter
  • Benz, Erich, Schmied, 2ha
  • Berg, Friedrich, Landwirt, 2 ha
  • Bohlmann, Otto, Bauer, 27 ha
  • Block, Willi, Arbeiter
  • Braasch, Alfred
  • Braasch, Else, Bäuerin
  • Braasch, Friedbert, Arbeiter
  • Braasch. Max, Bauer, 21 ha
  • Braasch, Paula
  • Braasch, Reinhold
  • Dummer, Emil, Arbeiter
  • Dummer, Emil, Hirte
  • Dummer, Hermann, Arbeiter
  • Dummer, Hermann, Rentenempfänger, 2 ha
  • Fischer, Agate
  • Fischer, Gerhard, Deputant
  • Fiß, Albert, Arbeiter
  • Fiß, Albert, Schuhmacher
  • Fiß, Helene, Witwe, 2 ha
  • Fiß, Marie, Witwe
  • Fiß, Marta, Hausgehilfin
  • Fiß, Robert, landwirtschaftl. Arbeiter
  • Gehrt, Cecilie
  • Gehrt, Gertrud
  • Gehrt, Heinrich
  • Gutbrodt, Artur, Hirte
  • Heiß, Gertrud, Hausmädchen
  • Heldt, Albert, Bauer, 50 ha
  • Heldt, Artur
  • Heldt, Otto
  • Hellwig, Kurt, Deputant
  • Hellwig, Leonhard, Rentenempfänger
  • Henke, Albert, Landwirt, 6 ha
  • Henke, Else
  • Henke, Franz, Arbeiter
  • Henke, Hedwig
  • Henke, Herbert
  • Henke, Karl, Bauer, 48 ha
  • Henke, Otto, Rentner
  • Holz, Frieda, Hausangestellte
  • Käding, Bernhard, landwirtschaftl. Arbeiter
  • Klawitter, Heinrich, landwirtschaftl. Arbeiter
  • Klawitter, Paul, Deputant
  • Kummrow, Gustav
  • Kummrow, Heinrich, Rentenempfänger
  • Kummrow, Paul, Landwirt, 9 ha
  • Ledebuhr, Emil, landwirtschaftl. Arbeiter
  • Lüdtke, Paul, Arbeiter
  • Michaelis, Max, Lehrer
  • Müller, Willi, landwirtschaftl. Arbeiter
  • Neumann, Albert, Rentner
  • Nitz, Ernst, Bauer, 109 Hektar
  • Noll, Heinrich, landwirtschaftl. Arbeiter
  • Ott, Albert, Arbeiter
  • Ott, Emil, Arbeiter
  • Ott, Johannes, Rentenempfänger
  • Ott, Willi, Arbeiter
  • Peglow, Anna, Arbeiterin
  • Peglow, Emil, Deputant
  • Pittelkow, Ida, Arbeiterin
  • Ponick, Siegfried, Bauer, 44 ha
  • Rackow, Elfriede
  • Rackow, Emil, Bauer, 28 ha
  • Rackow, Grete
  • Rackow, Gustav, Altsitzer
  • Rackow, Gustav, Arbeiter
  • Rackow, Helene
  • Rackow, Johann, Bauer, 59 ha
  • Rackow, Margarete
  • Rackow, Ulrike
  • Radmer, Werner, Bauer, 45 ha
  • Reinke, Walter, Landwirt
  • Reinke, Willi, Arbeiter
  • Scharping, Franz, Altsitzer
  • Scharping, Helmut, Bauer, 39 ha
  • Schmidt, Bernhard, Arbeiter
  • Schmidt, Frieda, Hausgehilfin
  • Schumacher, Hermann, Tischler
  • Schumacher, Otto, Tischler, 2 ha
  • Strelow, Willi, Arbeiter
  • Strelow, Otto, Deputant
  • Strespnik, Josef, landwirtschaftl. Gehilfe
  • Vahl, Ernst, landwirtschaftl. Arbeiter
  • Vahl, Frieda, Hausgehilfin
  • Vahl, Richard, Rentenempfänger
  • Vahl, Willi, Deputant
  • Varchmin, Albert, Gastwirt, 5 ha
  • Varchmin, Albert, Landwirt
  • Varchmin, Charlotte, Organistin
  • Varchmin, Eugen, Arbeiter
  • Varchmin, Franz, Musiker
  • Varchmin, Fritz, Arbeiter
  • Vaßholz, Hermann, Bauer, 33 ha
  • Venzke, August, Rentenempfänger
  • Venzke, Kurt, Hofgänger
  • Vollmer, Ernst, Rentenempfänger
  • Weiher, Anna, Wirtin
  • Wilhelm, Auguste, Rentenempfängerin
  • Wilhelm, Paul, Arbeiter
  • Wolter, Paul, Stellmacher, 1 ha

Und die Statistik des Jahres 1937 verzeichnete neben den Bauern noch drei Gewerbetreibende: die Gastwirtschaft von Albert Varchmin, die Schmiede von Erich Benz und die Tischlerei von Otto Schumacher. Zwilipp gehörte vor dem II. Weltkrieg zum Amtsbezirk Altstadt, wo Theodor Braasch aus Bogenthin Amtsvorsteher war. Die Polizei gab es in Gestalt von Gendarmerie-Meister Schütt in Degow, und für die Aburteilung war das Kolberger Amtsgericht zuständig. Anton Neitzel aus Zernin kümmerte sich als Standesbeamter um die Zwilipper Belange.
Von Joachim Kummrow zusammengefaßt aus dem „Einwohnerbuch für den Landkreis Kolberg-Körlin des Jahres 1932“ aus 1937 und dem „Landwirtschaftliches Adreßbuch der Provinz Pommern, 9. Auflage 1939, aus der Reihe Niekammer’s Landwirtschaftliche Güteradreßbücher Band I“, überliefert von Lothar Varchmin aus Steinhagen.(Westf.). Querverweis: Im Bilderteil dieses Buches findet sich eine Dorfkarte aus dem gleichen Jahr, von Fritz Kummrow ergänzt um die Hausnummern und die Bewohner der einzelnen Höfe.

Die Haushalte im Zwilipp um 1937

Fritz Kummrow sen. hat in 1997 aus der Erinnerung aufgeschrieben, welche Familie in welchem Haus gewohnt hat.
Nr.1: Bürgermeister Hermann Baller mit Frau und Bruder Siegfried. Im Tagelöhnerhaus des Hofes wohnte sein weiterer Bruder Otto Baller mit seiner Frau und den Kindern Günther, Edith, Ursula und Bruno sowie Emil Ott und seine Frau mit ihren Kindern. Ein Sohn hieß Alfred.

Nr.2: Auf diesem Hof wohnte Ortsbauernführer Emil Rackow mit seiner Frau Martha und den Kindern Eckart, Angelika und Esther, sein Bruder Gustav und sein Vater Gustav, vormals Bürgermeister und Freund unseres Großvaters Heinrich Kummrow. „Gustav Rackow, der ursprünglich nicht Bauer sondern Lehrer werden wollte, war auch unser Freund. Er kam mit uns zum Kühehüten, beriet uns beim Angeln und beim Krückstöcke biegen, Gustav Rackow sen. Soll von den Russen und Polen sehr mißhandelt worden sein“, erinnert sich Fritz Kummrow sen.

Nr.3: Otto Bohlmann mit Frau und Sohn Erwin.

Zwilipp Nr. 4: Hermann Vahsholz mit Frau Meta und den Kindern Inge, Asta und Martin. Hermann Vahsholz besaß eines der ersten Autos im Ort, einen „Adler“.

Nr.5: Werner Radmer mit Frau und den Kindern Werner, Manfred, Hagen und zwei Töchtern. Radmer fuhr damals bereits einen Opel.

Nr.6: Albert Held mit Frau, eine verwitwete Kummrow, mit ihrer Schwester Agathe. Die Kinder: Gustav Kummrow, Siegfried, Artur und Otto Held. Von diesem Hof und dem nachfolgend genannten Hof Nr. 7 stammen die Kummrows ab.

Nr.7: Franz Scharping mit seiner Frau, einer geborenen Kummrow, mit ihrer Schwester Martha, die häufig mit Fritz Kummrows Brüdern Hans und Heinrich spazieren, ging, als diese noch Kleinkinder waren. Franz Scharpings Kinder hießen Helmut und Hans.

Nr.8: Das war der sogenannte „Pasterhoff“. Hier wohnte bis etwa 1936 Pastor Hermann Adam mit seiner Frau und deren Schwester Fräulein Backe. Die Adams hatten einen Sohn, Ernst Adam. Pastor Adam ging in die Frühpension und baute sich in Bad Salzuflen ein Haus. Er hatte Differenzen mit dem Kirchenwart als es um die Abstimmung ging, ob die Gemeinde zu den Deutschen Christen oder zur Bekennenden Kirche gehören sollte. Pastor Adam wollte zur Bekennenden Kirche und er wurde von den Deutschen Christen im Ort überstimmt. „Ich kenne den Streit von beiden Seiten, einmal von Adam selbst, einmal von seinem Gegner Hermanns Vahsholz“, erinnert sich Fritz Kummrow. Von dem Ackerland des Pasterhofes hatte Paul Kummrow bis 1936 15 Morgen gepachtet. Danach wurde Friedbert Baller Pächter des Pastorhofes und wohnte dort mit seiner Frau Frieda und den Kindern Doraliese und Heinz. In dem großen Haus wohnte damals auch noch Franz Henke mit seiner Frau.

Nr.9: Max Braasch mit Frau Olga und vier Töchtern. Drei davon starben zwischen dem 20. Und dem 30. Lebensjahr an Schwindsucht, weitere vier waren bereits im Kleinstkindalter verstorben.

Nr.10: Kirche mit Pfarrerswitwenhaus; hier wohnten Reinhard Buntrock mit seiner Frau und den Kindern Gisela und Helmut. Und es wohnte darin die Kirchendienerin Frau Pittelkow, mit der ich häufig die Glocken geläutet habe.

Nr.11: Hier lebte Karl Henke mit seiner Frau und den Kindern Waltraud und Erdmann sowie die Geschwister des Hausherrn, Else und Otto. Otto war behindert und wurde von Else Henke betreut.

Nr.12: Dies war der Hof Schwerdfeger-Gehrt. Das Land wurde nach der Heirat von Ernst Nitz und Frau Gehrt mit dem Nitz’schen Land zusammengelegt. Maler Friedrich Berg, aus Westpreußen stammend, kaufte nach dem I. Weltkrieg die Gebäude und wohnte dort mit seiner Frau und Tochter Charlotte, die später Fritz Varchmin heiratete. Charlotte Varchmin hatte die Poststelle und war Organistin in der Kirche. „Ich habe im Alter von 12 bis 14 Jahren oft den Blasebalg der Orgel getreten“, erinnert sich Fritz Kummrow sen.

Nr.13: Das war die Schule mit dem Lehrerhaus. Es wurde zuletzt bewohnt von Lehrer Max Michaelis mit seiner Frau Emmi und den Kindern Hans und Werner. „Michaelis war ein sehr strenger Lehrer“, notiert der Chronist.

Nr.14: Hier lebten Hermann Dummer sen. mit seiner Frau und ihrem Sohn Hermann jun. sowie dessen Familie, zu der die Kinder Edith, Ilse und Alfred gehörten. Außerdem ihr Onkel Emil Dummer, der aus Amerika zurückgekehrt war.

Nr.15: Dies war der Hof von Paul Kummrow. Er wohnte dort mit seiner Frau Martha und den Söhnen Martin, Fritz, Paul, Werner, Heinrich und Hans.

Nr.16: Hier lebte Otto Schumacher mit seiner Frau Frieda und den Kindern Heinrich und Olga sowie Großvater Hermann Schumacher. Im Schumacherschen Hause war auch die Tischlerei des Ortes.

Nr.17: Dieses Haus gehörte der Gemeinde, darin wohnte Schuhmacher Alfred Fiß mit seiner Frau ebenso wie Nachtwächter Treptow mit seiner Frau.

Nr.18: Dies war das Spritzenhaus der Zwilipper Feuerwehr.

Nr.19: Dieser Hof wurde bewohnt von Ernst Nitz und seiner Frau, einer geborenen Baller, sowie den Kindern Heinrich, Lotte, Trude, Ilse und Cäcilie – die den Nachnamen Gehrt trugen sowie den Kindern Erich, Hans, Sophie, Edith und Adelheid, die den Nachnamen Nitz trugen.

Nr.20: Das war die Gastwirtschaft von Albert Varchmin und seiner Frau. In dem Hause lebten zudem noch Sohn Albert mit seiner Frau Trude und den Kindern Ulrich und Horst.

Nr.21: Dieses Haus war die Stellmacherei von Paul Wolter, bewohnt von ihm und seiner Frau sowie den Kindern Rudolf und Irmgard. Wolter war Ortsgruppenführer der NSDAP „und der einzige überzeugte Nazi im Dorf“, erinnert sich Fritz Kummrow sen.

Nr.22: Dies war der Hof von Else Braasch, den sie mit Sohn Reinhold sowie Sohn Friedbert und dessen Frau Ilse und deren Kindern bewirtschaftete.

Nr.23: Unter dieser Adresse wohnten drei Parteien: Hans, Frieda, Grete, Ulrike, Elisabeth, und Helene (?) sowie Neffe Rolf Rackow. Helene war geistig behindert. Emil Peglow arbeitete als Tagelöhner und lebte dort mit seiner Frau und den Kindern Erich, Ilse, Martin, Gerda und Herbert. Außerdem wohnte in dem Haus Anna Peglow, die die Schule putzte und heizte.

Nr.24: gehörte Siegfried Ponick und seiner Frau Martha. Ihre Kinder hießen Anneliese, Siegfried und Heinz Herbert.

Nr.25: wurde bewohnt von Helene Fiß und ihren Söhnen Albert und Robert.

Nr.26: Hier wohnten Maria Fiß und die Familie Gustke.

Nr.27: Dieses Haus war die Schmiede von Erich Benz. Dort wohnte er mit Frau Lotte, geb. Varchmin, sowie den Kindern Ewald, Walter und Gertrud. An der Persante-Fähre – etwas ab vom Dorfe – wohnte die Familie von Albert Henke.

Lesen Sie hierzu auch die Abschnitte Siedlung und Bevölkerungsentwicklung und Strukturen aus dem Kreis Kolberg-Buch.

14. Kapitel: Geschichte(n) aus Zwilipp 16. Kapitel: Das Dorf Zwilipp 1997