14. Kapitel: Geschichte(n) aus Zwilipp

Der Ort Zwilipp wurde schon 1159 als Schenkung des Herzogs Ratibor – seine Gemahlin hieß Pribislanw – an das Kloster Grobe auf Usedom genannt. So ist Zwilipp eins der ältesten Dörfer des Kreises (Kolberg).
Nach der Erhebung Preußens zum Königreich kauften sich die Zwilipper Bauern (da der damalige König Friedrich II. viel Geld brauchte) mit 400 Talern frei und brauchten somit für den Amtmann in Kolberg-Altstadt keine Spanndienste mehr zu leisten.

Im Zeitraum von 1644 bis 1726 wirkten als Pastoren Matthias Höring und Heinrich Wüstenberg. Die Pastoren waren damals die Kulturvermittler auf den Dörfern. Sie hielten auf fleißigen Kirchenbesuch und gute fromme Sitten und Ordnung.

Als Verwalter des Dorfes galt der Königliche Amtmann in (Kolberg-)Altstadt, dem der Dorfschulze und zwei Gerichtsmänner, heute Schöffen genannt, jederzeit zur Hand sein mußten. Einen kleinen Blick in die damalige Zeit gibt uns ein Bericht aus einer Urkunde vom Jahre 1726 aus dem preußischen Staatsarchiv Berlin. Da heißt es, Zwilipp habe 13 Vollbauern, einen Kossäten, und den Schneider David Rackow. Instleute seien es im Jahre 1726 sechs Ehepaare und zwei ledige Frauen.

Zur Schmiede mußten die Bauern nach Kolberg, die Mühle war in Bogenthin, ein Krug war nicht im Ort; es mußte der Reihe nach Amtsbier gebraut werden. In der Notzeit des Siebenjährigen Krieges belagerten die Russen zweimal vergeblich die Festung Kolberg, und zwar 1758 und 1760. Zum dritten Male kamen sie 1761 mit einem großen Heer und zwangen die Festung Kolberg durch Aushungern zur Übergabe. In dieser Zeit stieg die Not in unserer Gegend auf das Höchste. Sie kamen auch nach Zwilipp. Die Zwilipper Bauern mußten alles Vieh und Getreide, was sie hatten, hergeben. Aber es blieben wenigstens die Gebäude verschont. Dagegen wurden die Dörfer Damgard, Wobrow, Necknin, Bullenwinkel und Tramm vollständig eingeäschert.

Es war große Not im Lande, dazu herrschte im Winter 1761 auf 1762 grimmige Kälte, die selbst die Russen eine „sibirische Kälte“ nannten. Von der Hungersnot, der Kälte und den Seuchen wurden viele Menschen dahingerafft. In Zernin blieben von 18 Bauern nur 6 und von 8 Kossäten nur noch vier übrig, in Bogenthin von neun Bauern nur sechs. In dem völlig zerstörten Damgard überlebten von neun Bauern drei, in Tramm von sechs Bauern drei und von acht Kossäten vier. In dieser Zeit starben in der Zerniner Gemeinde 328 Bürger, das war mehr als die Hälfte der Einwohner. Wieviele Menschen damals in Zwilipp gestorben sind, ist nicht festzustellen, da alle Kirchenbücher verbrannt sind. Der Zerniner Pastor Felix Müller mußte von Zernin, wo der russische Oberbefehlshaber Romanzoff sein Hauptquartier hatte, nach Zwilipp flüchten, wo damals gerade kein Pastor war. Der Russengeneral gab Pastor Müller dann die Erlaubnis, in Zwilipp zu predigen.

Durch das Wirken von Pastor Müller und die Güte des Russengenerals ist Zwilipp leichter davongekommen. Aus der Generalverpachtakte des Berliner Staatsarchivs heißt es 1762, „das Dorf Zwilipp ist in ziemlicher Verfassung und die Gebäude auch in gutem Zustand. Die seit dem Kriege sehr schwachen Bauern haben sich dadurch geholfen, daß sie auf ihren Feldern Mergel entdeckten und damit düngten. Sie haben dadurch gutes Korn- und Gerstenland erhalten und konnten deshalb alle Präsente (Steuern und Abgaben) ohne Reste entrichten.“

Die Notzeit kehrte noch einmal in den Jahren 1770 bis 1774 zurück. Kartoffeln gab es wenig, das Getreide verfaulte auf den Feldern und es war kaum etwas zum Leben da. Auf dem Hof Nr. 3, heute Vaßholz, wohnte der Bauer Boneß. Er konnte seinen Besitz nicht halten. So war es auch auf dem Hof Nr. 8, Maler Berg. Ein Vaßholz wurde abgesetzt, Bauernsohn Peter Witt aus Jassde wurde zweimal mit Gewalt angesetzt und floh jedoch. Sein Nachbar Schwarze aus Leikow verließ auch den Besitz und ging heimlich aus dem Land. Dann wurde ein Hans Schwerdtfeger mit dem Hof belehnt. Seine Nachkommen waren in fünf Generationen auf dem Hof und zwar bis 1911.

Im Jahre 1807 kamen die Franzosen nach längerer Friedenszeit nach Zwilipp. Auf Befehl des Kolberger Kommandanten mußten die Zwilipper die vor ein paar Jahren neu erbaute Fährbrücke abbrennen. Die Franzosen kamen am Lusteburer Ufer an und hatten nach kurzer Zeit wieder einen Übergang fertig, indem sie Scheunentore nahmen und sie über die Pfahlrümpfe legten. Sie zogen durch Zwilipp weiter zu ihrem Lager auf dem Trammer Feld. 1812 zogen die Franzosen nach Rußland. Durch Zwilipp kamen sie allerdings nicht.

Auch in dieser Zeit war ein großer Mangel an fast allem. Der Winter 1812/1813 war nicht nur in Rußland sehr kalt, auch in Preußen. Die elenden Reste der französischen Armeen, die in einem grauenerregendem Zustand aus Rußland zurückkamen, regten in Preußen den Sinn auf Befreiung an. Aus dem Staatsarchiv von Berlin geht hervor, daß Zwilipp, das damals 150 Seelen zählte, 17 Freiheitskrieger stellte.

Um 1840 waren die Lebensverhältnisse einfach und schlicht. Sie bauten viel Raps an wegen des Öls, trieben Bienenzucht und hielten viele Schafe. Die Speisen waren sehr kräftig. Bei Hochzeiten kam als Nachspeise dicke Buchweizengrütze, mit Zimt und Zucker bestreut, auf den Mittagstisch. In der Mitte lag ein großer Kloß Butter. Der alte Pastor Pirelius pflegte dann stets zu sagen, „Wenn alle Berge Butter wären und alle Täler Grützen und käme dann ein Sonnenschein, flösse die Butter in die Grütze hinein. Das müßte dann ein gutes Essen sein“.

Überliefert von Heinz-Herbert Ponick, präsentiert beim 1. Zwilippertreffen am 22. Mai 1982 in Bielefeld.

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