11. Kapitel: Warum die Kummrows am Teutoburger Wald leben

So man es denn rückblickend auf die Wirren der jüngeren deutschen Geschichte als Glück empfindet, nach dem Krieg in den Westen Deutschlands verschlagen worden zu sein, so muß die Familie Kummrow einem Mann dankbar sein: Ludwig Klack (1912 bis 1988) aus Versmold. Denn er ist – auch wenn es ihm wahrscheinlich nie so recht bewußt geworden ist – dafür verantwortlich, daß die Kummrows am Teutoburger Wald ihre zweite Heimat gefunden haben.
Und das kam so: m Zweiten Weltkrieg, irgendwo in Oberitalien: Dort lernte Kummrows Nachbarssohn Friedrich Varchmin einen Kameraden, eben jenen Ludwig Klack, näher kennen. Beide tauschten die Adressen aus und versprachen sich, einander zu helfen, wenn man Probleme habe, in die Heimat zurückzukehren. Fritz Varchmin, der sich in den letzten Kriegstagen irgendwo zwischen den Fronten in Österreich wiederfand, suchte schnell das Weite. In ein Übergangslager in Nürnberg ließ er sich einschleusen und stand kurze Zeit später mit echten Papieren als Entlassener auf der Straße.

Doch wohin? Da fiel ihm sein Kamerad Ludwig ein, der ihm die Adresse seines elterlichen Hofes in Siedinghausen (bei Versmold) zugesteckt hatte. So stand denn Friedrich Varchmin im Sommer des Jahres 1945 vor dem Deelentür am Helleweg. Ludwig Klack war noch nicht zurück. Aber seine Schwägerin Magdalene nahm den Fremden auf, er fand Quartier zwischen einer niederschlesischen und einer ostpreußischen Flüchtlingsfamilie.

Magdalene Klack erinnert sich 1997: „Ich sehe den Fritz noch wie heute am Frühstückstisch sitzen, den Kopf ganz gesenkt über seiner Haferflockensuppe. Der hatte ganz viel Heimweh nach seiner Familie.“ Wenige Monate später kam Varchmin unter auf dem Windauschen Hof in Siedinghausen, beim Bauern Karl Seuster. Und im September 1946 konnte er endlich seine Frau Lotte, seine Söhne Lothar und Harry und seine Tochter Charlotte wieder in die Arme schließen.

Da waren die Weichen für die Zukunft der Familie Kummrow bereits gestellt. Denn Ostern 1946 besuchte Fritz Kummrow seinen „Nachbarn“ Friedrich Varchmin in Siedinghausen. Da Fritz Kummrow nicht länger unter Tage arbeiten wollte, blieb er einfach. Karl Seuster ließ seine Beziehungen spielen und brachte den zweiten Gast aus Zwilipp auf dem Hof seines Gemeinderatskollegen Rudolf Frieling unter. Als Fritz Kummrow dort heimisch geworden war, holte er seine Brüder Hans und Werner wie auch seinen Vater Paul nach.

Lotte Varchmin, einst Organistin in Zwilipp, starb 1974 im Alter von 69 Jahren in Steinhagen. Ihr Mann Fritz, der von 1948 bis zu seiner Pensionierung für die britischen Streitkräfte in Bielefeld als Autoschlosser gearbeitet hatte, wurde 83 Jahre alt. Er starb 1987. Sein Sohn Lothar lebt noch heute mit seiner Familie an der Ringstraße in Steinhagen. Und nach wie vor pflegen die Kummrows und die Varchmins die einstige Nachbarschaft, die sie auch in der Fremde wieder zusammengeführt hat.

Recherchiert und notiert von Joachim Kummrow mit freundlicher Unterstützung von Lothar Varchmin aus Steinhagen und Magdalene Klack aus dem Versmolder Ortsteil Siedinghausen.

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