Fritz Kummrow sen. 83-jährig gestorben

Fritz Kummrow sen., geb. 10. Juni 1924 in Zwilipp, ist am 5. Februar 2008 in seinem Wohnort Bielefeld-Quelle im Alter von 83 Jahren gestorben. Fritz Kummrow hinterlässt seine Frau Margret, geb. Martin, sowie seine Söhne Dr. Peter und Fritz Kummrow sowie fünf Enkelkinder. Schmiedemeister Fritz Kummrow war Sohn des Bauern Paul Kummrow, kam nach dem zweiten Weltkrieg über das Ruhrgebiet nach Westfalen, baute hier sein eigenes Unternehmen auf. Fritz Kummrow war Familienältester des Zwilipp-Zweiges, veranstalte zusammen mit seiner Frau sowie Lothar und Hildegard Varchmnm alle zwei Jahre die Zwilipper-Treffen am Teutoburger Wald.

Das Leben und Wirken von Fritz Kummrow sen. durfte ich als sein Grabredner aufbereiten. Einige Passagen aus der Rede beschreiben exemplarisch einen Lebensweg eines Bauernsohnes aus Zwilipp. Schon allein deshalb möchte ich Ihnen diese Geschichte nicht vorenthalten:

„Sein Arbeitsleben begann auf dem hinterpommerschen Bauernhof seiner Eltern mit eben vier Jahren: Erst musste er Hühner und Enten füttern, später die Gänse hüten. Pflichten zu haben und die Disziplin aufzubringen, diese zu erfüllen, entwickelten sich also schon sehr früh. Auch mit widerspenstigen und großen Tieren bekam es Fritz Kummrow schon in jüngsten Jahren zu tun: Nach den Gänsen wurde ihm der Schafbock anvertraut, später musste er die Kühe hüten. Dass man zuweilen weit laufen muss, um sein Ziel zu erreichen, prägte die ersten Kindheitsjahre, denn vom Hof zur Weide waren es gut fünf Kilometer zu Fuß. Und diese Strecke wollte vier Mal am Tag – vor und nach der Schule – bewältigt sein. Sein Optimismus bildete sich ganz nebenbei aus: als kleines Glück der ersten Jahre empfand er es, sich in kalten Herbsttagen die vom Laufen kalt gewordenen Füße in einem frischen Kuhfladen wärmen zu können.

An seine Schulzeit hatte Fritz Kummrow nicht so gute Erinnerungen: Bei 50 Kindern aller Jahrgänge in einer Klasse nutzte der einzige Lehrer täglich Ohrfeigen und einen etwa zwei Meter langen Haselnussstock, um ein Mindestmaß an Wissen zu vermitteln. Den richtigen Takt lernte Fritz Kummrow im Musikunterricht, denn der Lehrer klopfte Falsch-Singenden so lange mit dem Geigenstock auf den Kopf, bis auch der Letzte den richtigen Ton gefunden hatte. Das Evangelium bekam der junge Fritz auf ähnliche Weise vermittelt, wobei der Pastor mehr die Fäuste genutzt haben soll. Ohne diese Methoden sei er wohl Analphabet geblieben, reüssierte Fritz Kummrow noch anlässlich seines 70. Geburtstags. Und empfand das als ein Glück der frühen Jahre.

Als Fritz Kummrow mit 14 aus der Schule entlassen worden war, fand er im Dorfschmied seinen Lehrmeister. Auch dort gab’s „was ins Kreuz“ für jeden, der nicht schnell genug begriff. Als jüngstem Lehrling fiel ihm zugleich die Aufgabe des Kühehütens zu. Dieses zu können, sollte ihm im späteren Verlauf seines Lebens noch mehrfach helfen. Fritz Kummrow begriff auch in dem neuen Handwerk sehr schnell, wurde am Ende seiner Ausbildung sogar prämiert.

Es blieb nur wenig Zeit, das Gelernte zu vertiefen, inzwischen war der Zweite Weltkrieg ausgebrochen und Fritz Kummrow musste die Uniform der Pioniere anziehen. Zweimal zog er an die Front in Russland. Spätestens hierbei sei ihm der Glaube an einen gerechten Gott endgültig verloren gegangen, sagte er noch. Und zweimal hatte er Gelegenheit, als Bewacher eines Lazaretts in Litauen und als Unteroffiziersanwärter in Ulm, der Front den Rücken zu kehren. Den Krieg unversehrt überlebt zu haben, empfand er als viertes großes Glück seines Lebens.

Als der Krieg zu Ende war, kam Fritz Kummrow auf einem der letzten Schiffe über die Ostsee nach Holstein. Als Internierter der Engländer verlebte er einen Sommer auf dem Heuboden eines Bauern. Auch hier nützte ihm seine Herkunft – weil er morgens und abends beim Melken helfen konnte, brauchte er zumindest keinen Hunger zu leiden. Auch in den schmalen ersten Jahren nach dem Krieg war die Schüssel gut gefüllt. In Bochum arbeitete er für kurze Zeit als Bergmann unter Tage – mit doppelten Essensrationen. Später fuhr er zum Hamstern aufs Land und blieb – beim Bauern Frieling im nahen Bockhorst. Dass der junge Schmied und erfahrene Bauernsohn eine willkommene Hilfe war, brauche ich hier ja nicht mehr erwähnen.

Die Stelle als Knecht nannte er später „ein paar schöne Jahre auf dem Land“, denn er genoss Tanzstunden, Feste der Landjugend, eine kleine Tabakzucht und ein wenig Schnapsbrennen als kleines Glück in einer schlechten Zeit. In diesen Tagen fand er auch seine Frau Margret, die – so sagte er neulich noch schmunzelnd – „nach Meinung ihrer Mutter einen Besseren verdient hatte“.

Mit der Währungsreform 1948 war die schöne Zeit auf dem Land vorbei – Fritz und Margret mussten sich in der nahen Stadt Bielefeld ein neues Leben aufbauen. Kaum war er Geselle in einer kleinen Schmiede, wurde er kurz darauf auch schon deren Eigentümer. Schulden gab es reichlich, Geld keines. Aber einen Nachbarn, der als Händler auf dem Großmarkt jeden Abend eine Kiste Bananen mitbrachte. Das waren die mit den schwarzen Flecken, die keiner mehr wollte. Fritz und Margret empfanden sie wiederum als kleines Glück in einer schlechten Zeit.

Aus den Trümmern Bielefelds wuchs die Schmiede von Fritz Kummrow von Jahr zu Jahr. Neider vermuteten „Fritz Kummrow habe das Goldhämmerchen gepachtet“. Fritz Kummrow empfand es sowohl in der Zeit, wie auch rückblickend, als großes Glück, dass sich seine kleine Firma so gut entwickelte. Er hatte viel Freude an dem Handwerk, lernte das Kaufmännische schnell. Und er war fleißig. Dass er 34 Jahre gerne die Ämter des Innungsobermeisters und später Ehrenobermeisters ausfüllte, soll ich an dieser Stelle auch berichten.

Von seiner Arbeit als leidenschaftlicher Kunstschmied und später als erfolgreicher Bauschlosser wird vieles – Material und Verarbeitung sei Dank – seine Lebenszeit überdauern. Noch zu Pfingsten hängte er seinen Mantel an eine Garderobe, die er in den Fünfziger Jahren für das Hotel Quellental gebaut hatte. …“

Übrigens: Fritz Kummrow – so knorrig und geradeheraus er zuweilen auch gewesen sein mag – hat die Menschen in seinem Umfeld stets als Bereicherung seines Lebens verstanden. Ganz unabhängig davon, ob sie ihm als liebenswert, hilfreich, unterhaltsam oder gar skurril vorkamen. So Sie ihn kennengelernt haben: Auch dafür, dass Sie Fritz Kummrow auf einem Teilstück seines Lebens oder viele Jahrzehnte begleitet haben, soll ich an dieser Stelle von ganzem Herzen Danke sagen.

Das Foto zeigt die drei Paul Kummrow-Söhne, die Krieg und Vertreibung überlebten (von links) bei einer ihrer letzten Zusammenkünfte, dem 70. Geburtstag von Ursula Kummrow im März 2006: Fritz Kummrow (Bielefeld), Werner Kummrow (Versmold-Bockhorst), Hans Kummrow (Borgholzhausen-Holtfeld).

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